Im Porträt Lamin Leroy Gibba will Geschichten über Queere und Schwarze erzählen

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Der Schauspieler Lamin Leroy Gibba
Seine Karriere hat Fahrt aufgenommen: Schauspieler Lamin Leroy Gibba Bild: dpa | Jens Kalaene

Lamin Leroy Gibba spielte Ende 2024 die Hauptrolle im ARD-Serien-Highlight "Schwarze Früchte". Aber er war auch Drehbuchautor und Showrunner der Serie. Das Schreiben hat er in New York gelernt.

Der Schauspieler Lamin Leroy Gibba

Gesprächszeit Lamin Leroy Gibba hat lange für seine Serie "Schwarze Früchte" gekämpft

Lamin Leroy Gibba spielte Ende 2024 die Hauptrolle im ARD-Serien-Highlight "Schwarze Früchte". Aber er war auch Drehbuchautor und Showrunner der Serie.

Bild: dpa | Jens Kalaene

Mit dem ARD-Serien-Highlight "Schwarze Früchte" wurde Schauspieler Lamin Leroy Gibba Ende 2024 einem breiteren Fernsehpublikum bekannt. In der Dramedy-Serie kämpfen die Mitte 20-jährigen "Lalo" und "Karla" darum als Schwarze, queere Menschen akzeptiert zu werden. Gibba spielte nicht nur die Hauptrolle, sondern war auch Drehbuchautor und Showrunner der Serie.

Das hat mich schon frustriert.

Lamin Leroy Gibba über die vielen Gespräche, die er für sein Projekt "Schwarze Früchte" führen musste

Fast fünf Jahre brauchte der gebürtige Hamburger, um seine Serie über zwei Schwarze und ihr Queer-Sein in Deutschland zu realisieren. Die ersten Gespräche waren zunächst niederschmetternd. Gibba bekam zu hören, dass eine solche Serie in Deutschland nicht umsetzbar sei: "Die Strukturen, wer darüber entscheidet, welche Geschichten wertvoll sind und welche nicht – das hat mich schon frustriert." Bei den Produktionsfirmen Jünglinge Film, Studio Zentral und der ARD Degeto traf er dann nach langer Zeit endlich auf offene Ohren. "Ich habe auf jeden Fall immer daran geglaubt, dass 'Schwarze Früchte' eine Serie ist, die ein großes Publikum erreichen wird."

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Schon als Kind hatte er Lust zu performen

Lamin Leroy Gibba kam in Münster zur Welt, aufgewachsen ist er dann aber in Hamburg auf St. Pauli. Das Schwarzsein habe ihn sehr geprägt, erzählt der heute 30-Jährige, wenn er zurückschaut. "Alles, was irgendwie von der Norm abweicht, auf das wird sich natürlich gestürzt." Im Kindergarten entdeckte er zum ersten Mal die Liebe zum Geschichtenerzählen und zum großen Auftritt.

Ich bin dankbar, dass meine Eltern mir Interesse geschenkt haben.

Lamin Leroy Gibba über Tanzeinlagen vor dem Sofa seiner Eltern

Für seine Aufführungen und Tänze musste die ganze Familie regelmäßig auf dem Sofa Platz nehmen: "Ich hatte schon als Kind das krasse Bedürfnis, zu performen und Sachen vorzuspielen. Ich bin dankbar, dass meine Eltern mir Interesse geschenkt haben."

Inspiration in New York

Die Schauspielerei war auch als Jugendlicher sein Weg, sich auszudrücken. Gibba engagierte sich zunächst in der Jugendgruppe des Jungen Schauspielhauses in Hamburg: "Das war eine tolle Zeit und da habe ich tatsächlich viel gelernt, auch handwerklich." Seine Eltern unterstützten ihn, als der Entschluss feststand, dass er das Spielen tatsächlich zum Beruf machen will. Vom Deutschen Schauspielhaus führte ihn sein Weg dann an die New School Universität in New York, wo Gibba von 2014 bis 2018 Schauspiel und Film studierte. Hier lernte er auch für das Theater zu schreiben und Regie zu führen. "Mir hat es voll Spaß gemacht, mich darin auch zu vertiefen."

Die Hälfte meiner Dozent:innen war Schwarz, die Hälfte meiner Mitstudierenden war Schwarz.

Lamin Leroy Gibba über neue Lebensrealitäten, die er in New York kennenlernte

Der Umzug nach New York war für Gibba jedoch mehr als das bloße Packen von Umzugskisten und das Wechseln der Adresse. Das neue Leben war auch ein emotionaler Neuanfang und Quelle für Inspiration: "Ich weiß auf jeden Fall, dass ich mich voll kreativ entfalten konnte und dass ich, bevor ich nach Amerika gegangen bin, Deutschland als sehr einengend wahrgenommen habe." Der Ortswechsel eröffnete ihm neue Perspektiven auf sein Dasein: "Die Hälfte meiner Dozent:innen war Schwarz, die Hälfte meiner Mitstudierenden war Schwarz."

Berührendes Feedback zu "Schwarze Früchte"

Lamin Leroy Gibba
In "Schwarze Früchte" spielt Gibba "Lalo", der vom unerwarteten Tod seines Vaters aus der Bahn geworfen wird. Bild: ARD Degeto | Jünglinge Film/Studio Zentral/Louis Malcolm Saidou Reiss

Obwohl er sich in New York sehr wohl gefühlt hat, führte das Schreiben Lamin Leroy Gibba aber wieder zurück nach Deutschland. Die Geschichten, die sich in seinem Kopf abspielten, wollte er lieber in einem deutschen Kontext filmisch erzählen. Für "Schwarze Früchte" hat er berührende Rückmeldungen erhalten. Viele queere und Schwarze Personen schrieben ihm, dass sie sich in der Serie gesehen fühlen. Inzwischen wird Gibba sogar auf der Straße erkannt und angesprochen: "Deshalb macht man das ja. Man macht es, damit sich ein Publikum dadurch gesehen fühlt, Gedanken hat oder lacht und berührt wird."

Ich freue mich total auf das, was jetzt kommt.

Lamin Leroy Gibba über seinen Blick in die Zukunft

Zwei Mal war Gibba schon für den Grimme-Preis nominiert. Mit dem Erfolg von "Schwarze Früchte" im Rücken hofft der 30-Jährige Filmemacher, dass es in Zukunft leichter für ihn sein wird, seine Geschichten an Produktionsfirmen zu verkaufen. Alles in allem fühlt sich sein Leben gerade wie ein Startschuss an: "Ich freue mich total auf das, was jetzt kommt."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 3. April 2025, 18:05 Uhr

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