Auf der Bühne Panik in der Provinz: Gogols "Revisor" auf der Sommerbühne Bremerhaven
Stand: 7. Juni 2026.
Korruption, Vetternwirtschaft, die Verschwendung von Steuergeldern und ein Revisor, der diese Missstände beenden soll, stehen im Mittelpunkt der neuen Inszenierung des Stadttheaters Bremerhaven. Gespielt wird Gogols berühmte Komödie "Der Revisor" von 1836 auf der Sommerbühne vor dem Theater.
"Der Revisor" mit viel Witz und Tempo – Sommerbühne in Bremerhaven
Worum geht es?
Der Titel "Der Revisor" klingt sehr bürokratisch. Doch das täuscht. Das fast 200 Jahre alte Stück ist eine rasante Verwechslungskomödie: In einer kleinen russischen Provinzstadt ist fast jeder in schmutzige Geschäfte verwickelt. Doch dann geht das Gerücht um, dass die Hauptstadt einen Revisor – also eine Art Wirtschaftsprüfer – schickt. Der soll die Machenschaften in der Stadt unter die Lupe nehmen. Panik bricht aus, alle halten einen unbekannten Reisenden für den gefürchteten Revisor. Und alle wollen ihn auf ihre Seite ziehen – vor allem durch schamlose Bestechung. Der unbekannte Reisende ist allerdings nicht der gesuchte Revisor. Er ist nur ein Beamter in Geldnot, der sein Glück in dieser merkwürdigen Stadt kaum fassen kann.
Was gab es zu sehen?
Die Bühne ist – ganz unromantisch – im Stil einer Baustelle gestaltet. Überall hängen Plakate, die zeigen, was hier einmal Tolles entstehen soll: Ein brandneues Erlebnis-Stadttheater mit einem futuristischen Glasaufbau. Ob hinter den mit Zukunftsversprechen beklebten Bauzäunen aber tatsächlich etwas gebaut wird? Eher nicht. Das Bühnenbild könnte man als Spitze gegen große Bremerhavener Bauprojekte deuten. Nur wenige Meter von der Sommerbühne entfernt, wird zum Beispiel derzeit das große Karstadt-Gebäude abgerissen. Auch dort verdecken seit langer Zeit genau solche bunt plakatierten Bauzäune die Dauer-Baustelle.
Im Kontrast zum tristen Bühnenbild trägt der falsche Revisor, gespielt von Julia Lindhorst-Apfelthaler, einen strahlend weißen Anzug. Sie macht aus dem Fake-Revisor einen lautstarken Angeber-Proleten, mit Goldkettchen und breitbeinigem Gang. Passend dazu hat der Schriftsteller und Dramaturg John von Düffel das Gogol-Stück sprachlich modernisiert.
Was sagt unsere Kritikerin?
Die Stärke ist das Tempo der Inszenierung. Sieben Schauspielerinnen und Schauspieler agieren auf der Bühne. Es gibt aber deutlich mehr Rollen. Die Folge sind Chaos und schnelle Kostümwechsel. Wenn die Stadtoberen mit dem Revisor Party machen, wird’s schön anarchisch. Da wird sich zu Techno-Musik durch die Sitzreihen im Publikum gequetscht und die Korken knallen. Für meinen Geschmack hätte man die Bremerhaven-Parallelen deutlich radikaler ins Stück einbauen können. Die perfekte Chance, um zum Beispiel den Spardruck, unter dem auch das Stadttheater leidet, aufs Korn zu nehmen.
Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 6. Juni 2026, 9:40 Uhr