Auf der Bühne Zeitreise in alle Richtungen: "Der blinde Passagier" in Oldenburg

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Bühnenszene: Der blinde Passagier, am Oldenburgischen Staatstheater
Regisseurin Ebru Tartici Borchers hat "Der blinde Passagier" von Maria Lazar inszeniert. Bild: Oldenburgisches Staatstheater

Wäre 2022 nicht zufällig eine Kiste mit lange verschollenen Manuskripten in England entdeckt worden, wären viele Werke der Österreicherin Maria Lazar vielleicht niemals entdeckt worden. Jetzt hatte ihr "Blinder Passagier" Premiere am Oldenburgischen Staatstheater.

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Bühnenszene: Der blinde Passagier, am Oldenburgischen Staatstheater

Premiere: "Der blinde Passagier"

Am Oldenburgischen Staatstheater erlebte das Stück "Der blinde Passagier" von Maria Lazar eine beeindruckende Premiere.

Bild: Oldenburgisches Staatstheater
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Worum geht es?

Ein Mann auf der Flucht wird vom Mob durch eine Hafenstadt getrieben – er springt ins Wasser. Wir lernen ihn aber erst kennen, als er bereits Zuflucht an Bord eines Frachtschiffs im Hafen gefunden hat und nachdem die Tochter des Kapitäns ihren Bruder zur Rede gestellt hat. Der hat den Mann, einen jüdischen Arzt aus Wien, wie sich herausstellt, aus dem kalten Wasser gezogen und sozusagen "unter Deck verstaut".

Bühnenszene: Der blinde Passagier, am Oldenburgischen Staatstheater
Wie geht man mit einem Mann auf der Flucht um? Das Ergebnis ist bedrückend und beängstigend. Bild: Oldenburgisches Staatstheater

Nach und nach begegnen auch die anderen Menschen an Bord diesem Mann – es sind der Vater der Familie, der auch der Kapitän des Schiffs ist, der Verlobte der Tochter und zum Schluss auch noch die Mutter. Alle haben sofort eine Meinung dazu, was man mit – oder besser für – den Mann auf der Flucht tun müsse – oder eben auch nicht. Und es ist leider traurig aber wahr: Die fast bedingungslose Hilfsbereitschaft gibt es nur bei Schwester und Bruder, die aus dem Bauch heraus das Richtige tun.

Was gab es zu sehen?

Die Bühne wird von der Skizze einer Schiffskajüte gefüllt. Nicht zeitlos ist hier eigentlich nur der Radioempfänger im Regal. Auch Sprache und Kostüme verschleiern nicht, dass wir hier weitaus mehr, als eine Geschichte "aus der Geschichte" sehen. Der Ort ist also ganz klar ein Schiff, auf dem auch die vermeintlich Freien gefangen sind und auf dem der Flüchtende den letzten Hauch von Freiheit bei den Ratten im Laderaum verspürt. Aber am Ende sieht er nur einen Ausweg.

Bühnenszene: Der blinde Passagier, am Oldenburgischen Staatstheater
Die Handlung von "Der blinde Passagier" findet in einer Schiffskajüte statt. Bild: Oldenburgisches Staatstheater

Regisseurin Ebru Tartici Borchers schafft es, das Publikum in die Kajüte, unter Deck dieses Schiffs zu holen, was das Erlebnis für alle noch viel beeindruckender macht. Man merkt, dass das im Stück thematisierte Problem niemals vorüber sein wird in unserem Land. Weil es die anwesenden Charaktere damals gab und auch heute noch gibt – die Anführer, die Mitläufer, die Wegducker, die Naturtrüben, die Untertanen – aber auch die Mutigen, die Gerechten und die, die einfach nur verloren haben.

Wie wurde der Stoff umgesetzt?

Es war eine Zeitreise ganz besonderer Art im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters, denn das Stück "Der blinde Passagier", das Maria Lazar auf ihrer eigenen Flucht vor den Nazis vermutlich 1938 in Dänemark geschrieben hat, wirkt so zeitlos aktuell, dass es auch eine Zeitreise in unsere Gegenwart oder die nahe Zukunft sein könnte. Dazu beigetragen haben sicher alle Beteiligten – allen voran Hausregisseurin Ebru Tartici Borchers, aber auch die brillanten Schauspielerinnen und Schauspieler, das Kostüm- und Bühnenbild, die Musik… einfach alles!

Was sagt unser Kritiker?

Bühnenszene: Der blinde Passagier, am Oldenburgischen Staatstheater
Szene aus "Der blinde Passagier", zu sehen am Oldenburgischen Staatstheater. Bild: Oldenburgisches Staatstheater

Das ganze Problem der Nazi-Zeit und mit den Nazis in unserer Zeit – wurde hier in die Geschichte einer Familie auf einem Schiff gepackt. So klar und so greifbar nah. Was für eine Punktlandung! Bedrückend, beängstigend – und leider realistisch ... Ich wollte die ganze Zeit über das Gefühl loswerden, dass sich nichts verändert hat seither. Aber ich befürchte, dass es sich morgen bereits wieder genauso zutragen könnte. Ich war bedrückt und begeistert zugleich – und es gab sehr viel Beifall am Schluss für alle Beteiligten. Also ganz unbedingt anschauen und weitersagen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 7. Juni 2026, 09:40 Uhr

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