Luchs-Buchpreis Ein Mädchen, ein Pony – und die Kraft, anders zu sein

Autorin

Buchcover: Birdie-Eine Freundschaftgeschichte von J.P. Rose
J. P. Rose: "Birdie", übersetzt von Sandra Knuffinke und Jessika Komina, erschienen im Insel Verlag, 2025, 400 Seiten, 16 Euro. Bild: Suhrkamp/Insel

Der Luchs-Preis im Oktober geht an J. P. Rose für ihr Kinderbuch "Birdie". Es erzählt auf berührende Weise von Rassismus und Ausgrenzung, aber auch von Mut, Freundschaft und Stärke.

Ein Kind zwischen Einsamkeit und Ausgrenzung

Die Geschichte beginnt im Jahr 1952: Birdie, ein Mädchen von etwa zehn Jahren, steht allein auf einem Bahnhof in Yorkshire. Alles, was sie besitzt, passt in einen Koffer – doch niemand holt sie ab. Birdie ist ein sogenanntes "brown baby" – so wurden in Großbritannien die Kinder genannt, die aus Beziehungen zwischen weißen Britinnen und schwarzen US-Soldaten während des Zweiten Weltkriegs hervorgingen. Viele dieser Kinder wurden von ihren Müttern abgegeben und wuchsen in Waisenhäusern auf.

Birdie selbst wurde als Baby in einer Kirche zurückgelassen. Jahre später nehmen entfernte Verwandte, die Winterbottoms, Kontakt auf. Doch als sie schließlich im Dorf ankommt, stößt sie nicht auf offene Arme: Ihre Großtante ist überfordert, will die Verwandtschaft sogar geheim halten. In der Schule erlebt Birdie offenen Rassismus – Mitschüler jagen sie durchs Dorf, Lehrerinnen trauen ihr nichts zu. Besonders schmerzhaft: Birdie begreift erst nach und nach, warum sie so ausgegrenzt wird.

Hoffnung durch Freundschaft

Trotz der Härte der Erlebnisse ist "Birdie" kein hoffnungsloses Buch. Denn Birdie begegnet Mr Duke, dem letzten Grubenpony des Dorfes, das noch in der Kohlenmine arbeitet. Zwischen dem einsamen Tier und dem ebenso verlorenen Mädchen entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft, die beiden Mut und Halt gibt. Das macht die Geschichte auch für junge Leserinnen und Leser ab neun Jahren zugänglich.

Ein Kinderbuch mit Tiefe und Relevanz

Die Luchs-Jury würdigt "Birdie" als eine Mischung aus historischem Roman und emotionalem Kinderbuch. Es zeigt, wie ein Kind trotz Diskriminierung die Kraft finden kann, eine Gemeinschaft zu verändern. Besonders eindrücklich: Die Autorin J. P. Rose schöpft aus eigener Erfahrung. Sie ist selbst als adoptiertes Kind of Color in einer nordenglischen Bergarbeiterstadt aufgewachsen und berichtet von schwerem Rassismus in ihrer Kindheit. Über ihre Figur sagt sie: "Birdie ist das Kind, das ich nie zu sein wagte. Sie war immer da, eine laute Stimme in meinem Kopf." Mit "Birdie" gelingt es Rose, nicht nur ihre eigene Geschichte literarisch aufzuarbeiten, sondern auch anderen Kindern Mut und Hoffnung zu schenken.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Nachmittag, 2. Oktober 2025, 15:40 Uhr

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