Im Porträt Wie die Bühne diesem Bremer hilft, clean zu bleiben

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Ein Mann sitzt auf einem Stuhl.
Paul Rosenmöller ist Darsteller bei der Wilden Bühne Bremen. Bild: Radio Bremen | Frieda Ahrens

Suchterkrankt und clean: Das sind die Voraussetzungen, um Teil des Ensembles der Wilden Bühne zu werden. Seit fast drei Jahren gehört Paul Rosenmöller zum Team – einem Ensemble aus 24 Menschen. Die Wilde Bühne gibt es seit 2003, seit 2013 spielt sie im Theater im Volkshaus im Bremer Stadtteil Walle.

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Paul Rosenmöller ist Teil der Wilden Bühne in Bremen, er schaut in die Kamera

Paul Rosenmöller geht offen mit seiner Suchterkrankung um

Aus einer Schwäche eine Stärke zu machen – das ist gar nicht so leicht. Paul Rosenmöller hat genau das geschafft: Er ist Darsteller bei der Wilden Bühne Bremen.

Bild: Radio Bremen
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Im Theater im Volkshaus zwischen der Bremer Innenstadt und Walle wird kein klassisches Theaterstück aufgeführt. Nicht "Romeo und Julia" oder "Kabale und Liebe" – das Ensemble der Wilden Bühne bringt stattdessen kurze, selbst geschriebene Szenen auf die Bühne. Häufig geht es dabei um Suchterkrankungen. Und das ist kein Zufall, denn die 24 Schauspielerinnen und Schauspieler, die zum Ensemble der Wilden Bühne gehören, sind alle ehemals drogenabhängig gewesen.

Durch die Arbeit hier kann ich besser annehmen, dass ich eine chronische Erkrankung habe.

Paul Rosenmöller über die Wilde Bühne

Ihre Arbeit in diesem Theater bedeutet eine konstante Auseinandersetzung mit der eigenen Suchterkrankung. "Durch die Arbeit hier kann ich besser annehmen, dass ich eine chronische Erkrankung habe, die ich mein Leben lang haben werde", sagt Paul Rosenmöller. Nach jeder Vorstellung kommen die Darstellerinnen und Darsteller noch einmal auf die Bühne und stellen sich vor. Bei Paul hört es sich so an: "Ich bin im Herbst seit drei Jahren bei der Wilden Bühne. Ich habe mit 14 angefangen, illegale Drogen zu nehmen. Bei mir war das Cannabis, später kamen andere Dinge dazu. (...) Clean und trocken bin ich seit dreieinhalb Jahren."

Theater als Prävention

Dass die Schauspielerinnen und Schauspieler über ihre Erfahrungen mit Drogen sprechen, ist für Michaela Uhlemann-Lantow sehr wichtig. Sie ist die pädagogische Leiterin der Wilden Bühne, die vor allem von Schulklassen besucht wird. "Unsere Aufführungen sind immer verbunden mit Publikumsgesprächen, in denen die persönlichen und biographischen Erfahrungen unserer Spieler und Spielerinnen mit einfließen oder wo sie berichten: Was haben die Themen des Stückes mit ihrer eigenen Lebensgeschichte zu tun? Letztendlich ist das der Türöffner für die Jugendlichen, die dann von ihren eigenen Erfahrungen berichten." In den Stücken geht es nicht nur um den Konsum, sondern auch um die Gründe, die dahinterstehen: zum Beispiel einen Vater, der immer nur herumschreit, oder eine Mutter, die sehr viel Druck ausübt.

Auf einmal auf der Bühne zu stehen und aus dieser Schwäche eine Stärke zu machen – das hat irgendwas in mir bewegt.

Paul Rosenmöller

Die Darsteller:innen berichten ganz persönlich und machen sich dabei verletzlich. Dass er über seine Sucht spricht, mache ihn gleichzeitig stark, sagt Paul Rosenmöller. "Eine Suchterkrankung bringt das auch mit sich: Ich habe von mir selbst nicht viel gehalten, weil ich, seit ich 15 bin, mit dem Kiffen aufhören wollte. Und wenn man sich 15 Jahre lang anlügt, dann ist der Selbstwert irgendwann im Keller. Auf einmal auf der Bühne zu stehen und aus dieser Schwäche eine Stärke zu machen – das hat irgendwas in mir bewegt."

Wie die Bühne ihm hilft, clean zu bleiben

Die Wilden Bühne ist ein Theaterensemble suchterkrankte Menschen. So wie Paul Rosenmöller. In den Stücken geht es vorrangig um Sucht.

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Bild: Radio Bremen

Paul Rosenmöller ist eigentlich Krankenpfleger. Und weil hier ganz unterschiedliche Menschen auf der Bühne stehen, lernen die Jugendlichen auch, das es nicht "das eine klassische Bild" einer suchterkrankten Person gibt: "Wir kommen aus so verschiedenen Ecken. Ganz viele kommen aus einem Akademikerhaushalt, aber das schützt niemanden davor, suchtkrank zu werden."

Sobald das Publikumsgespräch vorbei ist, bleiben die Schauspielenden noch auf der Bühne und sind für die Jugendlichen ansprechbar. Oft kommen sie auf Paul Rosenmöller zu. "Mit Themen, die sie bei den Schulsozialarbeitern nicht ansprechen, oder bei den Lehrern oder Lehrerinnen. Einfach, weil wir nahbar sind."

Die Bühne als Safe Space

Die Arbeit bei der Wilden Bühne und mit den Jugendlichen habe sein Leben verändert, sagt Paul Rosenmöller. Die Wilde Bühne ist sein Safe Space geworden, ein sicherer Ort. Michaela Uhlemann-Lantow beeindruckt das sehr: "Er hat sein Leben ganz schön verändert. Bei Paul hat es dazu geführt, dass er ein Studium als Theaterpädagoge anfängt. Das ist natürlich toll zu sehen, dass jemand herkommt, um sich neu zu orientieren, und dass das dann ein so großer Teil im eigenen Leben wird."

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Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 19. September 2026, 13:40 Uhr

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