Frauengeschichte(n) aus unserer Region 6 Frauen, die in Bremen Geschichte schrieben
Stand: 29. Mai 2026.
Frauen haben Bremen und die Region nachhaltig geprägt. Wir stellen sechs Frauen vor, die einen Platz in den Geschichtsbüchern verdient haben.
Bedeutende Frauen aus Bremens Vergangenheit
1 Hermine Heusler-Edenhuizen, Frauenärztin
Wenn sie den Hörsaal betritt, dann erwarten sie Buh-Rufe: Hermine Heusler-Edenhuizen beginnt Ende des 19. Jahrhunderts ihr Medizinstudium – in einer Zeit, als nur wenige Frauen an deutschen Universitäten zugelassen waren. Auch die Professoren haben es auf sie abgesehen: Ein Prüfer schiebt ihr bei einer Abschlussprüfung bei einer simulierten Geburt eine viel zu große Kinderattrappe unter. Sie muss so heftig daran ziehen, dass die Puppe ihr aus der Hand und gegen eine Wand fliegt. Davon lässt sie sich aber nicht beirren: Sie schließt ihr Studium mit Auszeichnung ab und gründet eine Frauenarztpraxis – als erste Frau in Deutschland.
2 Leontine Schwöbmann, Stewardess
Eigentlich hätte das Leben von Leontine Schwöbmann unspektakulär verlaufen können: Verheiratet mit einem Bankdirektor, Mutter von mehreren Kindern. Aber dann geht die Bank ihres Mannes pleite, viele Menschen verlieren ihr Geld. Als Haftbefehl gegen ihn erlassen wird, nimmt er sich das Leben. Leontine Schwöbmann muss ihre Familie selber versorgen – und geht als Stewardess zur See. Im 19. Jahrhundert ist der Beruf noch neu, Frauen haben aus Sicht vieler Seeleute nichts auf einem Schiff verloren. Stewardessen kümmern sich um die Passagiere der ersten Klasse, müssen hart arbeiten. Sie macht das 25 Jahre lang – und versorgt so eigenständig ihre Familie.
3 Greten Handorf, Reederin
Das Leben von Greten Handorf spielt sich Anfang des 20. Jahrhunderts am Wasser ab: In Cuxhaven leben sie und ihre Familie vom Krabbenfang. Dann wird ihr Mann krank, kann nicht mehr zur See fahren. Jetzt muss sie die Familie versorgen – und wird kurzerhand zur Reederin. Denn Greten Handorf lässt die Kutter ihres Mannes umbauen, um damit Menschen von einer Flussseite zur anderen zu bringen. Aus der Geschäftsidee wird schnell ein erfolgreicher Fährbetrieb von Cuxhaven nach Brunsbüttel. Aus einem Schiff werden mehrere – und Greten Handorf zur erfolgreichen Reederin.
4 Hanna Kunath, Fliegerin
Fliegen, das ist für Hanna Kunath ein großer Traum. Aber in den 1920er-Jahren ist die Luftfahrt eine Männerdomäne, die junge Frau muss sich ihren Traum hart erkämpfen. Mit Anfang 20 tritt sie dem Bremer Verein für Luftfahrt bei, nimmt Flugstunden, macht ihren Flugzeugführerschein. Damit ist sie eine der ersten Pilotinnen Bremens. Dass sie es als Frau in dieser Domäne schwerer hat als Männer, weiß sie – und deswegen widmet sie sich als Fluglehrerin später vor allem dem Unterricht für junge Frauen.
5 Anna Lühring, Soldatin
Als die Napoleonischen Kriege Europa erschütterten, melden sich viele Männer freiwillig, um in den Kampf zu ziehen. Frauen sollen zu Hause bleiben und Spenden für die Soldaten sammeln. Das ist nichts für Anna Lühring. Die 17-Jährige klaut die Kleidung ihres Bruders und schleicht aus dem Haus, um sich verkleidet einem Freikorps als Soldatin anzuschließen. Als "Eduard Kruse" macht sie sich einen Namen. Als ihr Kommandant erfährt, dass sie eine Frau ist, fordert er sie auf, zu bleiben: Er ist begeistert von ihrem militärischen Können. Als Napoleon besiegt ist, darf Anna Lühring in Berlin einziehen – und wird als "Heldenjungfrau" gefeiert.
6 Elvira Vierke, Schweißerin
Als in den sechziger Jahren in der Bremer Industrie die Arbeitskräfte fehlen, macht die Vulkan-Werft einen ungewöhnlichen Schritt: Sie wirbt explizit um Frauen. Elvira Vierke meldet sich auf die Anzeige, macht eine Ausbildung zur Schweißerin und setzt fortan Tag für Tag Schiffsteile zusammen. Die Arbeit ist kräftezehrend und schweißtreibend, aber Elvira Vierke hält 20 Jahre durch – meistens in der Schicht von 17:00 bis 22:00 Uhr, weil sie vorher ihre Kinder versorgt. Der Karrierehöhepunkt: Einmal darf Elvira Vierke ein Schiff taufen – eine damals seltene und ungewöhnliche Ehre für eine Frau.
Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 30. Mai 2026, 13:40 Uhr