Frauengeschichte(n) aus unserer Region Wie Lisel Oppel sich gegen ihre Kritiker durchsetzte
Stand: 29. August 2025.
Wer an Künstlerinnen aus Worpswede denkt, kommt schnell auf Paula Modersohn-Becker. Dabei gab es noch mehr Frauen in der Künstlerkolonie. Lisel Oppel war eine davon.
Als Lisel Oppel nach Worpswede zieht, ist sie gerade mal 23 Jahre alt. Die zierliche junge Frau mit den dunklen Locken will sich dort ihrer Leidenschaft widmen: der Kunst, Porträts in Öl und Landschaftsbilder. In ihr Tagebuch schreibt sie:
Ich bin in Worpswede. Ich liebe es, ich liebe die Landschaft und fast jeden Tag male ich. Ich bin sehr allein, es gibt nur Duft und Kornfelder, die bald reif sind und Dörfer – und lange Tage und weiche, lange Abende.
Lisel Oppel, Künstlerin
1897 in Bremen geboren, entdeckt Lisel Oppel früh die Leidenschaft fürs Malen. Schon als Kind malt sie an der Weser die vorbeifahrenden Schiffe. Zunächst will sie Kunstlehrerin werden, bricht aber das entsprechende Studium nach zwei Semestern ab. Deshalb dann der Umzug nach Worpswede – wobei sie mit dem Malen nicht so schnell Geld verdient, wie sie es sich erhofft hatte. "Wann, wann habe ich endlich meine eigene Freiheit, keine Geldschwierigkeiten?", schreibt sie in ihr Tagebuch. "Ein Heim in Worpswede, eine Geige ist alles, was ich brauche."
Trotzdem halten die Geldsorgen sie nicht von ihrer zweiten großen Leidenschaft ab: dem Reisen. Unterwegs malt sie zahlreiche Aquarelle: Berglandschaften im Tessin, Schiffe im Hafen von Tanger, Marktszenen in Marakesch – und überall Porträts von Menschen, die sie spontan kennen lernt.
Aber ihr Lebensstil passt vielen nicht, sagt Oppels Biografin Christine Krause. "Sie wurde auch diffamiert, unterstützt durch Feuilletonisten, gerne von Bremer Zeitungen, die sie als 'etwas irregulär dahinlebende Frau' genannt habe." Heiraten will Lisel Oppel nicht, hat wechselnde Liebesbeziehungen und macht keinen Heel daraus. Zu einer Freundin sagt sie:
Weißt du, Männer sind wie Pralinen, man macht die Schachtel auf und nimmt sich eine und dann macht man den Deckel wieder zu.
Künstlerin Lisel Oppel
1931 wird sie während eines Italienaufenthaltes schwanger und bringt auf Ischia ihren einzigen Sohn Claudio zur Welt. Als sie 1935 mit ihm nach Worpswede zurückkehrt, ist dort bereits der Einfluss der Nationalsozialisten spürbar: Wie alle Kunstschaffenden soll Lisel Oppel in die Reichskunstkammer eintreten. Doch sie weigert sich, weshalb sie bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges offiziell keine Farben, Pinsel, Leinwände oder ähnliches kaufen darf. Als sie sich 1945 verbotenerweise mit einem französischen Kriegsgefangenen anfreundet, wird sie angezeigt. Sie muss Zwangsarbeit ableisten – bis der Krieg einen Monat später vorbei ist.
Nach dem Krieg ist Lisel Oppel enorm produktiv, wird bekannter und kann sich einen guten Lebensunterhalt erarbeiten. Sie reist noch etliche Male ans Mittelmeer, arbeitet auch dort an Aufträgen. 1960 kommt sie von einer solchen Reise aus Sevilla krank zurück. Es sollte ihr letzte Reise werden: Am 11. Juli stirbt sie in Bremen.
Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, der Samstagmittag, 30. August 2025, 13.40 Uhr