Frauengeschichte(n) aus unserer Region Die Töpferin Auguste Papendieck entwickelte ihren eigenen Stil
Stand: 30. März 2026.
Die Keramik-Künstlerin Auguste Papendieck aus Bremen-Horn entwickelte im Laufe ihres Lebens einen ganz eigenen Stil, der sie auch international bekannt gemacht hat. Trotzdem ist ihr Name längst nicht mehr allen bekannt.
Frauengeschichte(n) aus unserer Region Wie Auguste Papendieck ihre erste eigene Töpferei gründete
Auguste Papendieck steckt eigentlich mitten im Malerei-Studium, als sie 1901 in einer Werkstatt am Ammersee eher zufällig das Töpferhandwerk kennenlernt. Die junge Frau ist zutiefst fasziniert und beschließt: Sie will Keramik-Künstlerin werden. Ihre Eltern sind skeptisch. Als wohlhabende Bremer Kaufleute haben sie das künstlerische Talent ihrer ältesten Tochter immer gefördert, aber Töpferei? Die gilt als Armeleute-Beruf ohne künstlerischen Anspruch.
Auguste Johanne Papendieck ist zu diesem Zeitpunkt 28 Jahre alt. Geboren 1873 in Bremen hat sie eine typisch bürgerliche Schullaufbahn für Mädchen hinter sich, mit Internat und Höhere-Töchter-Schule. Dass sie nun an einer privaten Schule Kunst studiert, ist etwas Besonderes, denn Studieren ist für Frauen ihres Standes nicht vorgesehen. Doch davon lässt Auguste sich nicht beeindrucken, ebenso wenig wie von der Skepsis ihrer Eltern. Sie wird Kunsttöpferin – und das ganz offiziell, sagt Kulturwissenschaftlerin Christine Holzner-Rabe: Sie sei die erste Frau gewesen, die 1912 in Bremen vor der Handwerkskammer die Prüfung als Meisterin abgelegt habe.
Fürs Studium von Bremen nach Berlin und Polen
Um das Töpfer-Handwerk tiefgehend zu erlernen folgt die junge Künstlerin keinem Curriculum, sondern lässt sich von ihrem Interesse leiten – und das mit beharrlichem Fleiß: Um die chemisch-technischen Eigenschaften der Materialien zu studieren, wird sie Gasthörerin an der Technischen Hochschule in Berlin. Sie hospitiert im Labor und an der Keramischen Fachschule in Bunzlau, um alles über Glasuren zu lernen, und sie arbeitet in verschiedenen Töpferei-Betrieben mit.
Diesen Ruf, den sie sich erarbeitet hat, der ist schon besonders und die Keramiken, die sie geschaffen hat, sind ebenso besonders.
Christine Holzner-Rabe
Im damals noch ländlichen Horn bei Bremen eröffnet sie ihre eigene Töpferei-Werkstatt. Um finanziell vom Vater unabhängig zu bleiben – vor allem aber, um sich ganz ungestört ihrer Arbeit widmen zu können. Mit der sie sich bald einen Namen macht, sagt Christine Holzner-Rabe: "Diesen Ruf, den sie sich erarbeitet hat, der ist schon besonders und die Keramiken, die sie geschaffen hat, sind ebenso besonders, denn sie arbeitete mit Westerwälder Ton, den sie hier mit Bremer Ton aus den Tongruben vermischt hat."
Über Bremen hinaus weltweit bekannt
Die Künstlerin mit dem hochgeschlossenen Arbeitskittel, den muskulösen Fingern und dem wachen, ernsten Blick fertigt Schalen, Töpfchen, originelle Vasen, Tassen und Teller. Dabei sei sie von uralten Formen inspiriert, so Holzner-Rabe, und habe eigenwillige Glasuren erarbeitet, die mal in zartem Gelb und Graugrün, mal in leuchtenden Türkis- oder Rottönen schimmern.
Auguste Papendieck liebt den gesamten Arbeitsprozess, doch ein besonderes Ritual ist ihr der Brenn-Vorgang: Ist der abgeschlossen – was bis zu 16 Stunden dauern kann – läutet sie feierlich ein kleines Glöckchen. Dann wissen auch die Nachbarn: "Fräulein hat gebrannt".
Neue Impulse für die Keramik-Kunst
Für ihre unverwechselbaren Töpfer-Arbeiten, die sie erfolgreich selbst vermarktet, wird Auguste Papendieck bald auch über Bremen hinaus bekannt. Sie ist eine Vorreiterin, gibt der Keramik-Kunst ganz neue Impulse.
Ihre Vasen und Schalen zeichnen sich durch brillante Technik, und durch feurig oder mildfließende Schmelzfarben aus, die von Gefäß zu Gefäß immer neue Schönheiten offenbaren.
Die Bremer Nachrichten über die erste Sonder-Ausstellung im Bremer Focke Museum 1933.
1933 zeigt das Bremer Focke Museum die erste Sonder-Ausstellung ihrer Werke, über die es in den Bremer Nachrichten heißt: "Ihre Vasen und Schalen zeichnen sich durch brillante Technik, und durch feurig oder mildfließende Schmelzfarben aus, die oh Wunder! von Gefäß zu Gefäß immer neue Schönheiten offenbaren." Auch in zahlreichen anderen Ausstellungen ist Auguste Papendieck vertreten, viele private Sammler erwerben ihre Keramiken. Am 13. Februar 1950 stirbt die Kunstkeramikerin und Töpfermeisterin im Alter von 77 Jahren. Im Bremer Focke Museum und anderen europäischen Städten kann man heute ihrer Werke sehen.
Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 28. März 2025, 13:20 Uhr