Frauengeschichte(n) aus der Region Dieser Frau wurde ihr Gerechtigkeitssinn zum Verhängnis

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Minna Rattay vor dem Bremerhavener Fischereihafen (Montage)
Minna Rattay arbeitete im Bremerhavener Fischereihafen. Bild: dpa/arkivi | Privat/Edelgard Herfort

Die Bremerhavenerin Minna Rattay glaubte an eine bessere Welt. In der NS-Zeit hat sie dafür mit ihrem Leben bezahlt.

Minna Rattay wird 1902 in Pommern geboren und zieht als Kind mit ihrer Familie in die Nähe von Bremerhaven. Als junge Frau arbeitet sie im Bremerhavener Fischereihafen.  "Sie war eine von den ganz, ganz vielen Fischarbeiterinnen, die dort unter wirklich sehr schwierigen Bedingungen gearbeitet haben", erklärt die Historikerin Saskia Otten. Sie hat sich für das Historische Museum Bremerhaven mit dem Leben von Minna Rattay beschäftigt. 

Tägliche Arbeit im Gestank

Minna setzt sich damals schon für die Rechte der Arbeiterinnen und Arbeiter ein, ist überzeugte Kommunistin. Im Fischereihafen lernt Minna den Kesselflicker Paul Rattay kennen. Sie beide verbinden ihre politischen Ansichten, die beiden heiraten.

Minna Rattay hat vier Kinder mit Paul und ein Kind aus einer außerehelichen Beziehung. Das ist Edelgard Herfort – Jahrgang 1937. Die heute 87-Jährige hat nur vage Erinnerungen an ihre Mutter. Denn als Minna Rattay als überzeugte Kommunistin von den Nazis ermordet wird, ist Herfort gerade mal sechs Jahre alt.  

Haft, weil sie sich für ihren Mann einsetzte

Nach der Machtübernahme der Nazis 1933 werden Minna und Paul von der SA und der Gestapo beobachtet. Eines Tages kommt Paul viel zu spät nach Hause zurück. Er hatte eine Platzwunde am Kopf und blaue Flecken am Körper. Er sei verschleppt worden, man habe ihn verprügelt und gefoltert.

Minna zögert nicht lang. Sie geht zur Polizei und erstattet Anzeige: "Sie hat immer wieder ihre Aussage wiederholt, dass ihr Mann dort misshandelt wurde", sagt Saskia Otten. "Sie hat nicht klein beigegeben." Allerdings bewirkten ihre Bemühungen genau das Gegenteil: 1934 wird Minna Rattay wegen falscher Verdächtigungen angeklagt und zu sechs Monaten Haft verurteilt.

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Minna Rattay vor dem Bremerhavener Fischereihafen (Montage)

Frauengeschichte(n): Minna Rattay

Die Bremerhavenerin Minna Rattay glaubte an eine bessere Welt. In der NS-Zeit hat sie dafür mit ihrem Leben bezahlt.

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Edelgard Herfort ist stolz auf das Durchhaltevermögen ihrer Mutter. "Sie hatte einen ungeheuren Gerechtigkeitssinn und ist sofort auf die Barrikaden gegangen, wenn sowas war." Sie glaubt, dass genau das aber ihrer Mutter zum Verhängnis wurde. "Die Nazis kannten keine Gerechtigkeit. Die haben die ja abgeschafft. Und dagegen ist die Sturm gelaufen." 

Ihr Gerechtigkeitssinn wird ihr zum Verhängnis

1939 wird Minna Rattay erneut verhaftet und wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" verurteilt – vermutlich wegen ihrer politischen Gesinnung und ihrem kämpferischen Auftreten. Minna muss für zweieinhalb Jahre ins Frauengefängnis Lübeck-Lauerhof, dann wird sie erst nach Ravensbrück und zuletzt nach Auschwitz deportiert. Dort wird sie im Dezember 1943 ermordet.

Dieses Thema im Programm: Der Samstagmittag, Bremen Zwei, 29. November 2025, 13.40 Uhr

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